Poem of the day

Sonntagsfrühe
by Johann Peter Hebel (1760-1826)

In Allemannic German:

Der Samstig het zum Sunntig gseit:
“Jez hani alli schlofe gleit;
Sie sin vom Schaffe her und hi
Gar sölli müed und schlöfrig gsi,
Und’s gohtmer schier gar selber so,
I cha fast uf kei Bei me stoh.”

So seit er, und wo’s Zwölfi schlacht,
Se sinkt er aben in d’Mitternacht.
Der Sunntig seit: “Jez isch’s an mirt”
Gar still und heimli bschließt er d’Tür.
Er düselet hinter de Sterne no
Und cha schier gar nit obsi cho.

Doch endli ribt er d’Augen us,
Er chunnt der Sunn an Tür und Hus;
Sie schloft im stille Chämmerli;
Er pöpperlet am Lädemli,
Er rüeft der Sunne: “D’Zit isch do!”
Sie seit: “I chumm enanderno.”

Und lisli uf de Zeche goht
Und heiter uf de Berge stoht
Der Sunntig, und’s schloft alles no;
Es sieht und hört en niemes goh;
Er chunnt ins Dorf mit stillem Tritt,
Und winkt im Guhl: “Verrot mi nit!”

Und wemmen endli au verwacht
Und gschlofe het die ganzi Nacht,
Se stoht er do im Sunneschi’
Und luegt eim zu de Fensken i
Mit sinen Auge, mild und guet,
Und mittem Maien uffem Huet.

Drum meint er’s treu, und was i sag,
Es freut en, wemme schlofe mag
Und meint, es seig no dunkel Nacht,
Wenn d’Sunn am heitre Himmel lacht.
Drum isch er au so lisli cho,
Drum stoht er au so liebli do.

Wie glitzeret uf Gras und Laub
Vom Morgetau der Silberstaub!
Wie weiht e frische Maieluft
Voll Chriesibluest und Schlecheduft!
Und d’Immli sammle flink und frisch.
Sie wüsse nit, aß’s Suuntig isch.

Wie pranget nit im Garteland
Der Chriesibaum im Maiegwand!
Gelveieli und Tulipa
Und Sterneblueme nebe dra
Und gfüllti Zinkli, blau und wiiß!
Me meint, me lueg ins Paredies!

Und’s isch so still und heimli do,
Men isch so rüeihig und so froh!
Me hört im Dorf kei Hüst und Hott;
E Guete Tag! und Dank der Gott!
Und ’s git gottlob e schöne Tag!
Isch alles, was me höre mag.

Und’s Vögeli seit: “Frili jo!”
Potz tausig, jo, do isch er scho!
Er dringt jo in si’m Himmelsglast
Dur Bluest und Laub in Hurst und Nast!
Und’s Distelzwigli vorne dra
Het’s Sunntigröckli au scho a.

Sie lüte weger’s Zeiche scho,
Der Pfarrer, schint’s, well zitli cho.
Gang, brechmer eis Aurikli ab,
Verwüschet mer der Staub nit drab;
Und Chüngeli, leg di weidli a,
De muesch derno ne Maie ha!

In standard German:

Der Samstag hub zum Sonntag an:
“Jetzt ruhn sie alle, Nachbarsmann!”
Sie sind vom Schaffen her und hin
Gar weidlich müd an Seel und Sinn;
Mir selbst will’s bald nicht besser gehn,
Kann kaum noch auf den Beinen stehn.

Er spricht’s, und von der Mitternacht
Wird er nun auch ins Bett gebracht.
Der Sonntag spricht: “Jetzt ist’s an mir!”
Gar heimlich schließt er seine Tür.
Schlaftrunken noch und gar gemach
Schwankt er den Sternlein hintennach.

Doch jetzt reibt er die Augen aus
Und kommt der Sonn an Tür und Haus;
Sie schläft im stillen Kämmerlein.
Er klopft und pocht ans Fensterlein
Und ruft ihr zu: “’s ist an der Zeit!”
Die Sonne sagt: “Bin auch bereit.”

Und leise auf den Zehen geht
Und heiter auf den Bergen steht
Der Sonntag. Und das Tal entlang
Schläft alles noch; mit stillem Gang
Tritt er ins Dorf hinein und spricht
Zum Hahne: “Du, verrat mich nicht!”

Wenn alles endlich ist erwacht,
Geschlafen hat die ganze Nacht,
So steht er da im Sonnenschein,
Guckt zu den Fenstern uns herein
Mit seinen Augen, mild und gut,
Und mit dem Sträußchen auf dem Hut.

Drum meint er’s treu, und was ich sag,
Es freut ihn, wenn man schlafen mag
Und meint, es sei noch dunkle Nacht,
Wann längst die Sonn am Himmel lacht.
Drum kam er auch so leis heran
Und sieht so lieblich jetzt uns an.

Wie glitzert rings auf Gras und Laub
Vom Morgentau der Silberstaub!
Wie weht so frische Maienluft
Voll Kirschenblüt und Schlehenduft!
Und’s Bienlein sammelt ohne Frist;
Es weiß nicht, daß es Sonntag ist.

Wie prangt nicht in dem Gartenland
Der Kirschenbaum im Maigewand!
Und blaue Veilchen, Tulipan’
Und Sternenblümchen nebendran
Und Hyazinthen, daß man traun
Meint, in das Paradies zu schaun!

Und’s ist so still und heimt uns so,
Man ist so ruhig und so froh.
Man hört im Dorf kein Hüst und Hott;
Nur Guten Tag! und Dank Euch Gott!
Und Gott sei Lob! ein schöner Tag!
Ist alles, was man hören mag.

Und’s Vöglein sagt: “Ei freilich ja!”
Potztausend, ja, er ist schon da!
Er dringt mit seinem Himmelsstrahl
Durch Blüt und Laub in Berg und Tal!
Und’s Distelfinkchen vornean
Hat’s Sonntagsröckchen angetan.

Wie? Läuten sie nicht da schon ein?
Der Pfarrer muß heut eilig sein.
Geh, brich ein paar Aurikeln ab;
Doch wisch mir ja den Staub nicht ab;
Und prangst du, Gundel, in dem Staat,
Halt ich ein Sträußchen dir parat!

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