Poem of the day

Der Nöck
by August Kopisch (1799-1853)

Es tönt des Nöcken Harfenschall:
Da steht der wilde Wasserfall,
      Umschwebt mit Schaum und Wogen
      Den Nöck im Regenbogen.
            Die Bäume neigen
            Sich tief und schweigen,
Und atmend horcht die Nachtigall.—

“O Nöck, was hilft das Singen dein?
Du kannst ja doch nicht selig sein!
      Wie kann dein Singen taugen?”—
      Der Nöck erhebt die Augen,
            Sieht an die Kleinen,
            Beginnt zu weinen…
Und senkt sich in die Flut hinein.

Da rauscht und braust der Wasserfall,
Hoch fliegt hinweg die Nachtigall,
      Die Bäume heben mächtig
      Die Häupter grün und prächtig.
            O weh, es haben
            Die wilden Knaben
Der Nöck betrübt im Wasserfall.

“Komm wieder, Nöck, du singst so schön!
Wer singt, kann in den Himmel gehn!
      Du wirst mit deinem Klingen
      Zum Paradiese dringen!
            O komm, es haben
            Gescherzt die Knaben:
Komm wieder, Nöck, und singe schön!”

Da tönt des Nöcken Harfenschall,
Und wieder steht der Wasserfall,
      Umschwebt mit Schaum und Wogen
      Den Nöck im Regenbogen.
            Die Bäume neigen
            Sich tief und schweigen,
Und atmend horcht die Nachtigall.

Da tönt des Nöcken Harfenschall:
Da steht der wilde Wasserfall,
      Umschwebt mit Schaum und Wogen
      Den Nöck im Regenbogen.
            Die Bäume neigen
            Sich tief und schweigen,
Und atmend horcht die Nachtigall.

Es spielt der Nöck und singt mit Macht
Von Meer und Erd und Himmelspracht.
      Mit Singen kann er lachen
      Und selig weinen machen,—
            Der Wald erbebet,
            Die Sonn’ entschwebet …
Er singt bis in die Sternennacht!

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